Rheinpreussens Sonderstellung



Wer das Besondere lebendig fasst, erhält zugleich das Allgemeine mit.      Goethe

Rheinpreussens Sonderstellung

Vom Wesen der Rationalisierung - 
Der Einfluss der Substitutionskonkurenz -
Pionier der Rationalisierung - 
Was die Feldergröße bedeutet - 
Das Menschenproblem - 
Woher stammen die Zuwanderer - 
Das Wachstum der Industriegemeinden - 
Die Nährmutter - 
Wohnungsbau,ein Kernproblem des sozialen Lebens - 
Gemeinschaftsaufgaben am Niederrhein - 
Werden und Wirken der "Lineg" - 
Der Weg in die Chemie - 
Der Anteil der Chemie - 
Rheinpreussen GmbH



Dem Leser sind auf den vorangegangenen Seiten einige Gedanken skizziert worden, die sich bei der Betrachtung der Förderkurve aufdrängen. Die Gegenwart hat andere Sorgen als die Zeiten, deren Charakteristikum die tiefen Täler in den Zickzacklinien der Statistik sind. Aber bevor wir den Blick auf den Zustand Rheinpreussens an seinem hundertsten Geburtstag wenden, müssen wir doch noch einige Bemerkungen einschalten, die die Besonderheiten der Entwicklung des Unternehmens zum Gegenstand haben.
Da meldet sich im Anschluss an das vorhergehende Kapitel vor allem die Frage: Was war entscheidend für die Spitzenstellung Rheinpreussens in der Entwicklung der Mechanisierung? Die flache Lagerung der Flöze oder die vorerst noch verhältnismäßig geringe Teufe im Abbau gewähren dabei im Vergleich zu den rechtsrheinischen Zechen einen gewichtigen Vorzug, aber dies erklärt nicht alles. Wichtiger waren und sind die besonderen Anstrengungen, die die führenden Männer auf Rheinpreussen seit jeher der Rationalisierung gewidmet haben. Geologische Gegebenheiten, wie sie auf den Rheinpreussen Kohlenfeldern vorliegen, bedeuten nicht nur einen von der Natur geschenkten Vorteil, sondern sie schaffen zugleich auch eine volkswirtschaftliche Verpflichtung der Zechen, auf denen aus diesen natürlichen Vorzügen heraus die finanzielle Ertragslage den Durchschnitt aller Steinkohlenzechen überragt. Diese Zechen haben damit nicht nur die Möglichkeit, sondern zugleich auch die Pflicht, in der Mechanisierung und ganz allgemein in der
Rationalisierung-die Mechanisierung ist ja nur der rein maschinentechnische Teil der Rationalisierung, d. h. der ständig fortschreitenden Intensivierung und Verbilligung der Produktion-voranzugehen.
Die Erfindung des "Eisernen Heinrich" war ein entscheidender Fortschritt auf dem Weg zur Rationalisierung. Sie sind gleichsam die Pioniere, der Vortrupp, der neue Wege bahnt, neue Verfahren zu ersinnen und zu erproben hat, Fortschritte, die alsdann, wenn sie die Bewährungsprobe bestanden haben, von anderen Zechenbetrieben übernommen werden können, womit sich das Gesamtniveau der Produktion und der Erträge heben kann.
oben

VOM WESEN DER RATIONALISIERUNG
Das ist nicht nur im Steinkohlenbergbau so, sondern in gewissem Umfange auch in anderen Wirtschaftszweigen, aber im Bergbau wird dieses zeitliche und sachliche Verhältnis der Pioniere zur späteren allgemeinen Leistung, dieses Vorangehen, besonders deutlich, weil es eben hier mindestens zu einem großen Teil die natürlichen Produktionsbedingungen sind, die die Voraussetzungen für einen Rationalisierungsvorsprung bestimmter einzelner Unternehmungen schaffen. Im übrigen wird, was bei dieser Gelegenheit einmal vermerkt zu werden verdient, bei den Gesprächen über die Rationalisierung oft vergessen, dass die Rationalisierung eine ständige Aufgabe ist. Wohl hat es immer wieder Perioden gegeben, in denen Versäumnisse nachzuholen, unverschuldetes Zurückbleiben in der technischen Entwicklung wieder gutzumachen waren, beispielsweise nach Kriegszeiten; aber davon abgesehen, ist die technische Weiterentwicklung ein "Perpetuum", eine kontinuierliche Pflicht, ein Daueranliegen. Die Technik steht nie still, und wenn Nachholpflichten zuweilen sich wie isolierte Stöße ausnehmen, wie ruckartige Schritte, so darf dies doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rationalisierung im ganzen eine permanente Aufgabe darstellt, ein immerwährendes Bemühen um die möglichst rationelle Lösung der Produktionsaufgaben.
 "Rationell"-das Wort stammt aus dem Lateinischen; die alten Römer verstanden unter der "ratio" den tätigen Verstand, die Vernunft, nicht im Sinne der geistvollen Nachdenklichkeit, sondern als lebendig wirkende Kraft-die "rechnende Vernunft", so könnte man die Ratio am besten übersetzen. Die Rationalisierung in unserem heutigen Sinne ist also nicht nur das Streben nach technischer Perfektion, sondern ganz allgemein die Bemühung um den Fortschritt zur Erleichterung der menschlichen Anstrengungen auch im Organisatorischen und in jeder anderen Hinsicht. Die Mechanisierung ist nur eine Teilaufgabe innerhalb dieses Rahmens, wenn auch eine überaus wichtige.
oben



DER EINFLUSS DER SUBSTITUTIONSKONKURRENZ
Gerade am Beispiel Rheinpreussen lassen sich diese Gedankengänge durch die hundertjährige Geschichte immer wieder verfolgen. Gerade hier zeigt sich der Charakter der Rationalisierung als eine unaufhörlich aktuelle, als eine stets und ständig akute Aufgabe und Pflicht. Der wirtschaftende Mensch und der Techniker werden unbarmherzig vom Schicksal immer wieder gleichsam mit der Nase auf diese Pflicht gestoßen, und zwar, wie das Beispiel der Steinkohle mit eindringlicher Klarheit lehrt, schon aus den allgemeinen technischen und ökonomischen Wandlungen heraus, die die Welt ständig von neuem gebiert.
Man vergegenwärtige sich nur etwa den Wettbewerb, den heute das Öl als Heizstoff der Kohle bereitet: Sicher ist das Öl einer der Faktoren, die den Steinkohlenbergbau in die Rationalisierung mit hineinzwingen. Die Männer der Kohle mögen wollen oder nicht-es ist ein Existenzinteresse, das ihnen die Pistole auf die Brust setzt: Rationalisiere, oder du wirst auf der Strecke bleiben! Ein weiterer Antrieb zur Rationalisierung geht von dem Zwang aus, den Menschen, die in der Kohle arbeiten, immer bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen, da nur auf diese Weise eine gewisse Gewähr dafür gegeben ist, stets eine ausreichende Anzahl von Menschen für die Arbeit in der Kohle zu interessieren, sie zu halten und ihnen einen Lebensstandard zu bieten, der eher über als unter dem allgemeinen Durchschnitt liegt.
Nun, bisher ist die Kohle nicht auf der Strecke geblieben, und sie wird es auch in Zukunft nicht, wenn die führenden Männer, die schließlich doch mit jedem Handicap fertiggeworden sind, sich die alten Impulse bewahren. Aber niemand kann die Augen davor verschließen, dass gerade dieses hier nur als Beispiel flüchtig angedeutete Problem der Konkurrenz des Heizöls wieder einmal eines mit aller Deutlichkeit zeigt: Diese Form des Wettbewerbs, nicht die Konkurrenz der Erzeuger gleichartiger Güter untereinander, sondern die sogenannte Substitutionskonkurrenz, wie sie die Wirtschaftswissenschaft bezeichnet, das ist der weitaus schwerere Wettbewerbskampf.
Wenn die Verbraucher "ausweichen", wenn sie sich anderen Gütern zuwenden, so ist das die ernstere, die härtere, die folgenschwerere Konkurrenz, als wenn sich die Erzeuger ein und desselben Gutes gegenseitig den Absatz streitig und das Leben sauer machen. Gerade aus diesem Grunde aber ist die Substitutionskonkurrenz auch die wirksamste Peitsche zur Rationalisierung. - Und wenn nicht alles täuscht, so tritt der Kohlenbergbau jetzt in dieser Hinsicht in eine entscheidende Bewährungsprobe ein.
oben



PIONIER DER RATIONALISIERUNG
Ein Rückblick auf die technische Entwicklung von Rheinpreussen zeigt, daß man sich nicht damit begnügte, auf dem Althergebrachten weiter aufzubauen, sondern immer wieder versuchte, voll= kommen neue technische Wege zu gehen,-mochte es sich dabei um die erste elektrische Wasserhaltung auf Schacht III handeln, die noch übertage einen besonderen Drehstromgenerator mit Dampfmaschinenantrieb hatte - dieses Aggregat war übrigens 1902 auf der Weltausstellung in Düsseldorf zu sehen - oder um neue Schachtbohrverfahren nach Pattberg für das Weiterabteufen der Schächte IV und V. Im Jahre 1907 wurde die Schüttelrutsche, die maschinelle Nachahmung des Schaufelwurfs, auf Rheinpreussen erfunden; und man muss festhalten, dass mit der Schaffung eines solchen Strebfördermittels erstmalig im Bergbau der ganzen Welt die Grundlage zur Schaffung von Großbetrieben gegeben wurde, die zugleich erhöhte Sicherheit und gesteigerte Produktion ergaben. Die folgenden Jahre zeigten, dass Rheinpreussen von dieser Möglichkeit recht gut Gebrauch zu machen verstand. Auf dem Gebiet der elektrischen Grubenbahn blieb man nicht bei dem Gleichstrom Motor , der schon in Straßen und Grubenbahnen sich bewährt hatte, sondern in der Zeit um 1911, als die ersten Vorort= und Schnellbahnen mit Einphasen Wechselstrom Motoren gebaut wurden, versuchte Rheinpreussen, auch die Vorteile dieses Systems für die neuen Grubenbahnen auf Schacht IV und V und später auf der Schachtanlage I/II anzuwenden. Es war ein langer und hartnäckiger technischer Kampf, um eine elektrische Grubenbahn dieses Systems den Untertageverhältnissen anzupassen. Heute fahren in ganz Deutschland nur noch auf Rheinpreussen IV und V die elektrischen Grubenbahnen mit Einphasen Wechselstrom 50 Hz. Sie haben im Laufe der Entwicklungsjahre einen ausgezeichneten technischen Stand erreicht.
1925 entsandte Rheinpreussen Bergwerksdirektor Unterberg nach Amerika, damit er dort die maschinellen Einrichtungen des Bergbaus studieren sollte. Anregungen, die Unterberg auf dieser Reise gewann, führten Rheinpreussen zu der Fließförderung mit Bändern in den Strecken und zur Gefäßförderung in Blindschächten. Die Erfahrungen mit diesen Einrichtungen ließen den Gedanken zu einer Großgefäßförderung im späteren Pattbergschacht I reifen, die den Übergang zur voll" kommenden Großraumförderung mit Großförderwagen ermöglichte. Im Jahre 1926 gehörte Rheinpreussen zu den drei ersten Schachtanlagen des Ruhrgebietes, die von der Bergbehörde die Erlaubnis zur Verwendung elektrischer Energie in schlagwettergeschützten Betriebsmitteln im Abbau erhielten.
Die Rheinpreussen Schachtanlagen gehörten auch zu den ersten Schachtanlagen des Ruhrgebietes, die schon frühzeitig versuchten, die Versatzarbeit durch verschiedene Blasversatzmaschinen zu mechanisieren. Im Jahre 1927 und 1928 finden wir hier die verschiedensten Blasversatzsysteme. Man erkannte die Vorteile des neuen Verfahrens, aber auch gleichzeitig den außerordentlich hohen Energiebedarf; daher versuchte man, auch den Versatz mit Hilfe von elektrisch angetriebenen Maschinen einzubringen, um so eine billigere Energieform ausnutzen zu können. Im Oktober 1933 wurde das erste Bergeschleuderband auf Rheinpreussen Schacht V in Betrieb genommen. Es gehört auch heute noch zu den sichersten und billigsten mechanischen Versatzverfahren.
Die weitere Mechanisierung der Kohlengewinnung selbst setzte erst im zweiten Weltkrieg auf breiter Front ein. Im Jahre 1940 baute Rheinpreussen aus einer alten Schrämmaschine in Zusammen= arbeit mit der Firma Eickhoff in Bochum den ersten Prototyp eines Schrämladers. Es konnte der Beweis erbracht werden, dass es möglich war, mit Hilfe dieser schneidenden Kohlengewinnungsmaschine die Kohle mechanisch zu lösen und zu laden. Der endgültige "Eiserne Bergmann" oder "Eiserne Heinrich" entstand dann in Zusammenarbeit mit der gleichen Firma und kam Anfang 1941 zum Einsatz. Es wurden schon damals beachtliche Leistungszahlen erreicht. Auch der im Jahre 1942 neu hinzugekommenen schälenden Kohlengewinnung gegenüber zeigte man sich aufgeschlossen. 1943 lief der erste Kohlenhobel mit Kettengewinde auf Rheinpreussen Schacht V, eine Antriebsart, die nur von wenigen Zechen erprobt wurde, heute aber in den modernen Hobelanlagen wieder zu finden ist. Der erste Kohlenhobel arbeitete zusammen mit der Schüttelrutsche. Man erkannte aber bald die Vorteile des robusten Panzerförderers und verwendet ihn überall dort mit und ohne Gewinnungsmaschinen, wo er verspricht, die schwere Arbeit des Bergmanns zu erleichtern. Dass dabei dem stählernen Grubenausbau, insbesondere dem Strebausbau, im Hinblick auf eine mögliche Mechanisierung größtes Interesse geschenkt wird, versteht sich am Rande.
oben

WAS DIE FELDERGRÖSSE BEDEUTET
Kommen wir aber in diesem Zusammenhang nochmals auf die Flözmächtigkeit und verwandte Fragen zurück, so muss als weiterer wichtiger Tatbestand erwähnt werden, daß der Bergbau am linken Niederrhein sich von dem rechtsrheinischen, besser gesagt, zentralen Ruhrbergbau durch zwei Punkte unterscheidet:
Erstens galt z. Zt. der Mutungen noch das französische Bergrecht, wonach mit einem Fundpunkt erheblich größere Felder gemutet und verliehen werden konnten.
Zweitens brachten die ersten Bohrungen nicht gerade üppige Aufschlüsse, so dass man aus Sorge, die Kohlenvorräte könnten nach der Teufe zu gering bleiben, sich in der Feldesausdehnung eine Sicherheit schuf. Wie gut diese Maßnahme war, haben die späteren Aufschlüsse erwiesen, bei denen sich ergab, dass die anstehende Kohlenmenge auf einen Quadratmeter Grubenfeldfläche im links= niederrheinischen Bergbau nur etwa halb so groß ist wie im rechtsrheinischen Revier, nämlich: linksrheinisch 9,9 t/m2 gegenüber rechtsrheinisch 19,7 t/m2.
Die Sonderstellung des linksniederrheinischen Bergbaus mit seiner höheren Leistung je Mann und Schicht ist durch den Unterschied zwischen der flachen Lagerung am Niederrhein und der steilen und halbsteilen im zentralen Ruhrgebiet bedingt. Im übrigen sind die Lagerung im Norden und Osten des Ruhrgebiets auch vorwiegend flach und die Grubenfelder erheblich größer als im Zentrum. Da die flache Kohlenablagerung die Einrichtung großer Kohlenabbaureviere mit langen Strebfron= ten und großen Abbaulängen gestattet, wird eine längere Lebensdauer und eine hohe tägliche Leistung bei gleichzeitiger Verringerung der Betriebskosten erzielt.
oben

DAS MENSCHENPROBLEM
Die Sonderstellung von Rheinpreussen kam z. B. auch in dem speziellen Charakter der Bevölkerungsbewegung zum Ausdruck, die das Erstarken des Unternehmens kurz vor der Jahrhundertwende nach sich zog. Für die rechtsrheinischen Kohlenreviere bedeutete die Sogwirkung der wachsenden Industrie, dass ungefähr von 1875 an aus dem Osten Deutschlands, aber sodann auch aus den benachbarten ausländischen Staaten viele Tausende von Arbeitskräften herüberwanderten, da die bergbauwilligen Kräfte des Ruhrgebietes und der im Norden in den Kohlenbergbau einbezogenen Bezirke ganz überwiegend bereits in den Betrieben tätig waren. Heimische Reserven fand die Industrialisierung auf dem rechten Rheinufer von den siebziger Jahren an kaum noch vor. Im Gegensatz hierzu standen im Kreise Moers zunächst noch Arbeitsreserven aus der bäuerlichen Bevölkerung zur Verfügung. Die aus dem Osten zuströmende Welle erreichte daher Rheinpreussen erst in einer Zeit, als die Wanderung der Arbeitskräfte nicht mehr wie in den siebziger und achtziger Jahren in Form von geschlossenem Zuzug einheitlicher Gruppen erfolgte. Während beispielsweise die Zuwanderung im rechtsrheinischen Bergbau oft in Gestalt geschlossener Siedlungen der landsmannschaftlichen Gruppen zum Ausdruck kam, verlief die Entwicklung im Kreise Moers anders.
oben

WOHER STAMMEN DIE ZUWANDERER?
Nimmt man das Jahr 1913 zur Beurteilung der Zusammensetzung, wie sie damals die Belegschaft von Rheinpreussen im Ergebnis der Zuwanderungen auf wies, so zeigt sich folgendes: Von 9710 Mann Gesamtbelegschaft waren 3740 "Ausländer"; unter Tage betrug der Anteil der Ausländer an der Belegschaft 43,6 v. H., auf die Gesamtbelegschaft gerechnet 38,2 v. H. Der Löwenanteil der ausländischen Belegschaftsmitglieder entfiel auf Österreicher mit einem Anteil von 26,7 v. H., einschließlich der Ungarn sogar von 33,8 v. H. Unter die "Österreicher" bezog man damals Slowenen, Kroaten und Slowaken ein; wahrscheinlich stellten diese Gruppen den Hauptanteil der am linken Niederrhein ansässig gewordenen Österreicher dar. Hinzu kamen noch ein paar Hundert Italiener und Holländer, auch eine kleinere Anzahl von Polen.
Im ganzen war es also eine recht buntgemischte Schar von neuen Kräften, die sich in dieser entscheidenden Aufstiegsphase auf den Rheinpreussen Schächten zusammengefunden hatte; und die organisatorische und menschliche Behandlung mochte manche schwierige Aufgabe stellen, besonders deshalb, weil hier mehr Einzelgänger zuwanderten, so dass also eine individuelle Assimilierung als Form der Eingliederung dieser Männer in die neue Heimat stattfand, nicht so sehr ein Leben in mehr oder weniger geschlossenen Zirkeln innerhalb der deutschen Stammbevölkerung, wie Wascher und Gasometer Kokerei Pattbergschächte dies in den Zentren des rechtsrheinischen Bergbaus die Regel war. Das hatte wichtige Folgen für das Zusammenleben der Menschen in den Gemeinden, aber auch für die Sprache und ihre lebendige Entwicklung, die ebenfalls mancherlei Abweichungen von der Bergmannssprache der rechtsrheinischen Bergbaugebiete zeigte und auch heute noch zeigt. Inzwischen sind aber die Familien der alten Einwanderer längst in die Bevölkerung eingeschmolzen, und praktisch ist seit 1914 keine Ausländer "Immigration" mehr erfolgt. Wohl kamen aus Mitteldeutschland und aus dem Osten Vertriebene, die nach dem zweiten Weltkrieg und der Spaltung Deutschlands eine neue Heimat suchten, aber dabei handelte es sich ja nicht um Ausländer wie in den Zeiten von 1880 bis 1914.
oben

DAS WACHSTUM DER INDUSTRIEGEMEINDEN
Was uns aus den Zeiten überliefert ist, in denen Rheinpreussen den Durchbruch zum Erfolg erzwang, das erinnert in mancher Hinsicht an die Gegenwart und ihre Sorgen um die Arbeitskraft, und zwar besonders was den Nachwuchs von Aufsichtspersonal anlangte. Das war nicht weiter verwunderlich, denn die Schachtanlage Rheinpreussen war ja in einem ganz besonderen Sinne "auf die grüne Wiese" gesetzt worden-in eine Gegend, die überhaupt erst ein "Revier" werden sollte, in der eine Zeche keinerlei Nachbarn des eigenen Schlags hatte, in der es keine bergbauliche Tradition und keine Bergleute gab. Die Folge davon war, dass man sich den Nachwuchs für das Auf= sichtspersonal von den Bergschulen aus Essen und Bochum herüberholen musste. Man kann sich vorstellen, dass es manchmal nicht ganz leicht gewesen sein mag, die Leute dort zu einem Ortswechsel zu veranlassen.
Wie dem auch sei, der Bergbau führte, auf dem linken nicht weniger als auf dem rechten Rheinufer, zu einer Wandlung nicht nur in der Zusammensetzung der Einwohnerschaft, sondern rein quantitativ auch in der Bevölkerungszahl, - einer Bewegung, die man sich um die Mitte des vorigen Jahrhunderts nicht hätte träumen lassen. Von den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bis zur Gegenwart hat sich in Homberg die Einwohnerzahl fast verzehnfacht - sie ist von 3500 auf an= nähernd 34000 gestiegen -, während Moers und Rheinkamp ungefähr eine Versechsfachung erlebt haben. Die Industriegemeinden sind in keiner Beziehung mehr mit dem Zustand zu vergleichen, in dem sie bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts verharrt hatten, während umgekehrt bei den Kleinstädten und Gemeinden mit ländlicher Struktur, deren Bevölkerungszuwachs sich in bescheidenem Rahmen hält - so wuchs beispielsweise Orsoy in diesem Jahrhundert von 1855 bis 1955 nur um 53 v. H., - die Sozialstruktur sich nur unwesentlich verändert hat.
oben

DIE NÄHRMUTTER
Der Wandel, der sich in dem gewaltigen Anwachsen der städtischen Bevölkerung ausdrückt, ist überwiegend durch die Entwicklung des Bergbaus verursacht, vor allem durch das Wachstum des größten Bergbauunternehmens. Rheinpreussen, seit Anfang des Jahrhunderts der größte Arbeitgeber des Kreises, hat damit automatisch einen großen Teil der Verantwortung für das soziale Leben übernommen.
Dem Chronisten dokumentiert sich die enge Verbundenheit von Rheinpreussen mit dem Kreise Moers und den Gemeinden des Kreises sowie mit allen kommunalen, sozialen und sonstigen Einrichtungen höchst anschaulich, wenn er in den Akten und Korrespondenzen blättert und sich über die Spenden orientiert, die Rheinpreussen immer wieder großzügig zur Verfügung stellte. Wir greifen nur ein paar Einzelbeispiele aus der Fülle dieser Zeugnisse für die Rolle heraus, die Rheinpreussen für das kirchliche Leben, für die soziale und kommunale Entwicklung spielte. Da finden sich in den alten Aufzeichnungen u. a. folgende Zahlen und Daten: Im Jahre 1903: 1500 Mark für den Bau eines Betsaales in Asberg, im Jahre 1909: 900 Mark (im gleichen Betrag auf mehrere Jahre fest zugesagt) als Zuschuss für die Gehälter von vier evangelischen Pfarrern in Homberg, im Jahre 1912: 300000 Ziegelsteine zur Errichtung des evangelischen Gemeindehauses in Homberg, im gleichen Jahre 30000 Mark für den Bau einer katholischen Kirche in Moers - die Aufzählung aller dieser Spenden würde ganze Seiten füllen, mochte es sich nun um Nähmaschinen für Frauenheime handeln, um Beihilfen für die Einkleidung von Konfirmanden, um Zuschüsse zu Schulbau= ten und für Krankenhäuser, um finanzielle Unterstützung der Feuerwehr, um eine Fahne für die österreichisch/ungarischen Vereine, um einen Sportpreis für die Ruderliga des Homberger Gymnasiums - immer wieder wird hundertfältig auf solche Weise illustriert, was Rheinpreussen für das soziale und kulturelle Leben des Kreises und der Gemeinden bedeutet: Das älteste und größte Bergbauunternehmen am linken Niederrhein war und ist die große Nährmutter, das wirtschaftliche Zentrum, nicht nur als der bei weitem größte Arbeitgeber, sondern in einem viel umfassen= deren soziologischen Sinne als der zivilisatorische Hort dieses Bezirks des linken Niederrheins.
oben

WOHNUNGSBAU - EIN KERNPROBLEM DES SOZIALEN LEBENS
Die Verantwortung für das soziale Leben im Bergbaubezirk am linken Niederrhein kommt auch darin zum Ausdruck, dass Rheinpreussen seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts im Wohnungs- und Siedlungswesen eine umfängliche und segensreiche Tätigkeit entfaltete. Anfänglich spielte dieses Problem kaum eine Rolle. Die bei den Abteufarbeiten (1857-1884) der Schächte I/II beschäftigten Arbeiter entstammten der ortsansässigen Bevölkerung; die Zahl der von auswärts zuziehenden Facharbeiter war gering, diese Familien fanden zunächst ohne Schwierigkeiten in Homberg selbst oder in benachbarten Ortschaften genügend geeignete Wohnungen. Aber als der steigende Belegschaftsbedarf nicht mehr durch ortsansässige Arbeitskräfte gedeckt wurde, trat die Notwendigkeit auf, für Arbeiter und ihre Familien geeignete Wohnmöglichkeiten zu schaffen. Charakteristisch für die Entwicklung war, dass im Oktober 1881 90 Bergleute, von denen 40 verheiratet waren und insgesamt 84 Kinder hatten, aufgrund "unzureichender" Unterbringungsverhältnisse "verleitet" wurden, nach Nordamerika auszuwandern. Werkseigene Häuser wurden zum ersten Maie in Hochheide und Homberg im Jahre 1889 gebaut; die erste größere in sich geschlossene Siedlung entstand um die Jahrhundertwende in Homberg; 184 Häuser mit 634 Werkswohnungen wurden damals errichtet. In der Folgezeit mussten immer neue Bauprogramme in Angriff genommen werden; die ständige Vergrößerung der Belegschaften, der Zustrom aus dem Reich und aus dem Osten und Südosten Europas wäre überhaupt nicht zu "verkraften" gewesen, wenn man den Leuten nicht ein Dach über dem Kopf hätte bieten können.
1907 waren schon Hunderte von Häuser mit 3 639 Wohnungen fertiggestellt, und bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges wuchs der Wohnungsbestand bei Rheinpreussen selbst auf 4 660 an, wozu noch 3 507 Wohnungen bei der Zeche Neumühl kamen, so dass insgesamt 8167 zecheneigene Wohnungen zur Verfügung standen. Gewaltige Arbeit war nach dem Kriege zu leisten, um die zerstörten Häuser wieder aufzubauen und die beschädigten wiederherzustellen,-nur 305 Wohnungen waren unbeschädigt geblieben, 7 862 waren zerstört oder wiesen einen Schadensgrad bis zu 60 v. H. auf. So wurde der Wohnungsbau nun erst recht zu einer Aufgabe erster Ordnung, noch viel wichtiger als in den Jahren vor dem Kriege. Ende 1952 konnte der Wiederaufbau praktisch als abgeschlossen gelten, aber zugleich wurde der echte Neubau stark gefördert. Ein besonderes Anliegen des Unternehmens ist dabei auch der Eigenheimbau. So wurden seit der Währungsreform insgesamt 2 840 Eigenheime gefördert. Fasst man alle Bauobjekte zusammen - Werkswohnungen, Eigenheime und Mietwohnungen gemeinnütziger Gesellschaften-, so stehen heute insgesamt 15514 Wohnungen der Belegschaft zur Verfügung. Bei diesen Zahlen ist allerdings zu berücksichtigen, dass 29 v. H. von Invaliden, Witwen und Werksfremden bewohnt werden. Den Invaliden und Witwen überlässt Rheinpreussen trotz des relativ hohen Anteils nach wie vor die mietgünstigeren Werkswohnungen ohne jede Einschränkung.
oben

GEMEINSCHAFTSAUFGABEN AM NIEDERRHEIN
Der linksrheinische Kohlenbezirk hat heute noch seine eigenen Institutionen, die gemeinsamen Aufgaben des Bergbaus und seinen Menschen dienen. Erwähnung verdient hier vor allem, dass die Zechen am linken Niederrhein eine eigene Knappschaft haben und einen "Verein der Bergwerke". Außerdem sind eine eigene Bergschule und Bergvorschule vorhanden. Das Bergamt hat ebenfalls einen Sitz in Moers eingerichtet.
Daneben spielt seit der Jahrhundertwende die wasserwirtschaftliche Ordnung eine wichtige Rolle. Wasserprobleme sind im Bergbau seit eh und je von großer technischer und wirtschaftlicher Bedeutung gewesen. Es gibt Bergwerksbetriebe, bei denen mehr Wasser als Kohle gefördert wird, und gerade auf Rheinpreussen war die Wasserfrage immer wieder Gegenstand besonderer technischer und ökonomischer Überlegungen und Maßnahmen gewesen. Es mag bei dieser Gelegenheit an eine historische Tatsache erinnert werden, die heute nur noch den Spezialisten der Wassergeschichte geläufig ist: Die bergbaulichen Wasserhaltungsprobleme bildeten den Anstoß zu der entscheidenden Phase der maschinentechnischen Revolution: Die Erfindung der Dampfmaschine, besser gesagt, ihre entscheidende Vervollkommnung durch James Watt vor nunmehr 180 Jahren war für den Bergbau ein Ereignis von lebenswichtiger Bedeutung, denn ohne eine wesentliche Verstärkung der Pumpenkapazität, wie sie nur durch die Ausgestaltung der Dampfmaschine möglich war, hätte der Bergbau der in größeren Tiefen zunehmenden Wassermassen nicht Herr werden und infolgedessen die Förderung nicht in dem Maße ausdehnen können, wie es der mit der fortschreitenden Industrialisierung wachsende Kohlenverbrauch verlangte. James Watt konstruierte seine erste Dampfmaschine zur ausschließlichen Verwendung im Pumpenantrieb für eine schottische Kohlengrube! Auf der anderen Seite brachten die Wasserverhältnisse, mit denen sich der Bergbau zu beschäftigen hatte, zugleich auch Störungsgefahren auf der Erdoberfläche mit sich. Das hatte man besonders an der Emscher erfahren, wo Versumpfungen durch Bodensenkungen recht unangenehme Konsequenzen hatten.
oben

WERDEN UND WIRKEN DER "LINEG"
Im Moerser Gebiet erwog man deshalb rechtzeitig, d. h. schon zu Beginn unseres Jahrhunderts, Maßnahmen, um Störungen in den Vorflutverhältnissen von vornherein zu vermeiden und insbesondere Schäden in der Landwirtschaft vorzubeugen. Die Gewerkschaft Rheinpreussen setzte sich an die Spitze dieser Bestrebungen und gründete 1908 gemeinsam mit den anderen Bergbauunternehmen den "Verein zur Aufstellung eines Entwässerungsplanes für das linksrheinische Industriegebiet"; den Vorsitz übernahm Heinrich Pattberg. Der Verein arbeitete zwei Projekte aus, von denen das eine die Entwässerung des ganzen Gebietes in Richtung auf die Maas, also nach Holland hinein, das andere zwei Vorflutkanäle zum Rhein vorsah. Dieses zweite Projekt wurde verwirklicht, und zwar auf dem Wege der Gründung einer Genossenschaft, die der Emscher Genossenschaft nachgebildet ist. Ihre Existenz beruht auf einem Gesetz aus dem Jahre 1913, ihr Name ist "Linksnieder* rheinische Entwässerungsgenossenschaft", abgekürzt Lineg. Genossen sind satzungsgemäß die Eigentümer der im Genossenschaftsgebiet liegenden Bergwerke, ferner die Eigentümer der in diesem Gebiet liegenden anderen gewerblichen Unternehmungen, Eisenbahnen, Schifffahrtskanäle und sonstige Anlagen und schließlich die im Genossenschaftsgebiet liegenden Gemeinden. Die Haupt" last der Entwässerungskosten liegt auf den Schultern der Unternehmer, d. h. praktisch des Bergbaus. Er ist es auch heute noch, der die Entwässerungsgenossenschaft trägt. Die erste große Teilleistung, die von der Lineg durchgeführt wurde, war die Vorflutregelung und die Abwässerbeseitigung für das große Niederschlagsgebiet des Moersbaches und der Fossa Eugenia im südlichen Teil des Kreises Moers, wozu der Bau eines Pumpwerkes bei Rheinberg notwendig wurde. Die Zechenabwässer werden mit Rücksicht auf die Landwirtschaft nicht in den neuen Vorfluter, sondern mit Druckrohrleitungen unmittelbar oder mittelbar durch die als Betriebsabwässerkanal freigegebene Fossa Eugeniana in den Rhein geleitet.
oben

DER WEG IN DIE CHEMIE
Im Grunde haben die meisten Aufgaben und Probleme von Rheinpreussen ihre Wurzel im Stand" ort, in der Ansiedlung links des Rheins. Nur von einem, worin sich Rheinpreussen von anderen Bergbauunternehmen unterscheidet, gilt dies nicht: von der Betätigung in der Chemie. Sie hat wenig oder nichts mit dem Standort zu tun, sondern sie ist eine Besonderheit, die aus anderen Erwägungen erwuchs, aus freiem Entschluss der Unternehmensleitung, die schon in den ersten Anfangen der Kohleveredlung große Aufmerksamkeit widmete. Frühzeitig wurde die Errichtung von Kokereien und Teerverarbeitungsanlagen in Angriff genommen - bereits 1879 begann Rheinpreussen mit der Kokserzeugung -; später wurde der Anteil der Verkokung an der Förderung rasch erhöht.
Das alles war aber noch keine Betätigung in der Chemie im eigentlichen Sinne, man griff noch nicht über die Bereiche hinaus, in denen auch andere Zechenunternehmen wirkten. Die ersten weiter= gehenden Pläne reichen aber immerhin schon bis in das Jahr 1932 zurück, in eine Zeit, in der die Steinkohle notleidend war: schlechter Absatz, niedrige Förderzahlen, gedrückte Preise, Schwierigkeiten mit den Absatzquoten im Syndikat ließen den Gedanken wach werden, ob es nicht ratsam sei, ein so großes Unternehmen mit so vielen Beschäftigten nicht ewig nur "auf einem Bein" stehen zu lassen. Es dauerte aber dann noch fast drei Jahre, bis diese Gedanken sich zu dem Plan verdichteten, ein Treibstoffwerk zu errichten. Der Beschluss wurde im Sommer 1935 gefasst, als auch andere Unternehmungsgruppen des Steinkohlenbergbaus sich der Treibstofferzeugung zu= wandten. Im Gegensatz zu anderen Gruppen ging man von vornherein selbständig vor, d. h. auf rein privatwirtschaftlicher Grundlage, ohne Subventionen und ohne Bindung an das Reich, dessen Wirtschaftspolitik damals im Interesse einer Verselbständigung der deutschen Kraftstoffversorgung die Treibstofferzeugung aus der Kohle stark forcierte. Als Standort des Treibstoffwerkes hatte man zunächst die Pattbergschächte vorgesehen; aber im endgültigen Baubeschluss trat an deren Stelle der Schacht V. Im Februar 1936 wurde mit dem Bau begonnen, die Kapazität der Anlage von zunächst 30000 Tonnen wurde noch im gleichen Jahr auf 50000 Tonnen erweitert. Eine teilweise Inbetriebnahme erfolgte bereits im Juli 1936, und von da an kam man Schritt für Schritt zu einer Ausdehnung der Produktion, nicht nur in quantitativer Hinsicht bei der Treibstofferzeugung selbst, sondern auch in bezug auf die Einbeziehung neuer Erzeugungszweige in das Programm, - von Anfang an hatte man sich darauf eingestellt, aus den Fischer-Tropsch-Produkten nicht nur Treibstoffe herzustellen, sondern auch andere Zwischenprodukte, die in Verbindung mit den 
Erzeugnissen aus den Nebenprodukten Anlagen der Kokereien der Weiterverarbeitung zugeführt werden sollten. Vor allem war es die Schmierölfabrikation, die im Laufe der anschließenden Jahre eine wichtige Rolle spielte, da sich herausstellte, daß das sogenannte Fischer-Tropsch-Verfahren, das die Grundlage der Rheinpreussen Treibstoffgewinnung bildete, ein auch für die Schmierölherstellung hervorragend geeignetes Ausgangsmaterial lieferte. Neben der Schmierölproduktion wandte man sich später verschiedenen anderen chemischen Fabrikationszweigen zu, so den Ausgangsstoffen für Waschmittel, der Harzproduktion, der Alkoholerzeugung, ferner Lösungsmitteln und schließlich auch pharmazeutischen Präparaten. Besonderen Wert legte Rheinpreussen dabei auf eigene Forschungsarbeit und auf die Entwicklung neuer Verfahren; der Erfolg rechtfertigte diesen Aufwand.
oben



DER ANTEIL DER CHEMIE
Diese ganze Entwicklung des chemischen Zweiges fußte ursprünglich auf der Treibstofferzeugung, aber über dieses Gebiet griff man im Laufe der Jahre hinaus, und als Ganzes löste sich die Betätigung Rheinpreussens in der Chemie allmählich von der Treibstoffherstellung ab. Das kam auch darin zum Ausdruck, dass die synthetische Treibstofferzeugung selbst nach der Zerstörung des Treibstoffwerkes während des Krieges und nach ihrem Abbruch nicht wieder aufgenommen wurde. Der Grund hierfür lag weniger darin, dass die Besatzungsmächte anfänglich jede deutsche Kraftstoffproduktion untersagten, als vielmehr in den völlig veränderten Preisverhältnissen. Insbesondere die Erhöhung der Kokspreise beeinflusste die Kosten des Fischer-Tropsch-Verfahrens und die/erzielbaren Verkaufseriöse so stark, dass das Verfahren fürs erste unrentabel wurde.
Es lässt sich schwer etwas darüber sagen, ob bei einer Weiterführung der Treibstofferzeugung der Anteil, den die chemischen Produktionen am Gesamtumsatz des Unternehmens haben, höher geworden wäre, als er jetzt ist. Nur etwa 5 v. H. des Gesamtumsatzes von Rheinpreussen entfällt auf die Chemie, eine Zahl, die nicht nur das Ergebnis des Wiederanstiegs der bergbaulichen Erzeugung ist, sondern ebenso ein Ausdruck vorsichtigen Eindringens in Neuland.
oben

RHEINPREUSSEN GMBH
Wie auf jedem industriellen Sachgebiet eine erfolgreiche wirtschaftliche Betätigung nicht nur die Produktion als solche zur Voraussetzung hat, wie überall von Anfang an auch der Vertrieb, der Absatz in die Planung einbezogen werden muss, so auch hier, in der Betätigung Rheinpreussens auf dem Gebiet chemischer Erzeugnisse: Im Oktober igj6 gründete Rheinpreussen zusammen mit der Firma Franz Haniel & Cie. GmbH die Rheinpreussen GmbH mit dem Sitz in Homberg als Vertriebsunternehmen für Treibstoffe, öle, Schmiermittel, Teerprodukte und andere Erzeugnisse, die bei der Kohleverarbeitung anfallen, vor allem aber auch zur Erstellung von Anlagen, die dem Vertrieb und der Lagerung aller dieser Produkte dienen. Die Franz Haniel & Cie. GmbH brachte damals die Firma Weyer & Co. in Moers mit ihren Erfahrungen auf dem Treibstoffmarkt in die Neugründung ein; später übernahm die Rheinpreussen GmbH einige kleinere Mineralölhandelsfirmen in Köln, Stuttgart und München sowie die Allgemeine Brennstoffhandelsgesellschaft (ABC) aus dem Konzern de Wendel mit Niederlassungen in Aachen, Bonn, Duisburg, Düsseldorf, Köln und Herringen b/Hamm in Westfalen.
Auf diese Weise wuchs die Rheinpreussen GmbH rasch zu einer verhältnismäßig bedeutenden Vertriebskapazität im Mineralölgeschäft heran und hatte sich bereits bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges einen nennenswerten Marktanteil gesichert. Als das Treibstoff werk von Rheinpreussen den Kriegsereignissen zum Opfer gefallen war und als man auf seinen Wiederaufbau verzichtete, bedeutete dies nicht, dass die Rheinpreussen GmbH überflüssig geworden wäre. Sie überbrückte die Zeit der Mineralölzwangswirtschaft durch den Handel mit den verschiedenartigsten chemischen Produkten und stand im Mineralölgeschäft Gewehr bei Fuß. Sobald die Zwangsbewirtschaftung der Kraftstoffe fiel, trat sie wieder auf den Plan, erneuerte und erweiterte ihr Tankstellennetz und sicherte sich im Laufe der letzten Jahre einen guten Mittelplatz zwischen den kleinen Kraftstoffhändlern und den großen Mineralölkonzernen. Heute umfasst die Organisation der Rheinpreussen GmbH sechs Verkaufsabteilungen in Homberg, Köln, Frankfurt/Main, Stuttgart, München und Hamm. Rund 800 Tankstellen und 25 Auslieferungslager tragen einen stattlichen Absatz von Vergaserkraftstoffen, Dieselkraftstoffen, Motorenölen, Heizölen, Industrieölen und =fetten, daneben aber auch das Handelsgeschäft mit chemischen Produkten aus der Rheinpreussen Erzeugung. Das Firmenschild der Rheinpreussen GmbH, das den Einband dieses Buches ziert, tritt dem Kraftfahrer in zahlreichen deutschen Städten entgegen und versinnbildlicht die erfolgreiche Tätigkeit eines über den Ausgangsbereich des Steinkohlenbergbaus hinausgewachsenen großen Unternehmens.
oben


zum Inhalt

Bergbau
 

Werbung
 
"
Deutsche Steinkohle
 
Alles über die deutsche Steinkohle
findet Ihr hier !

Stillgelegte Bergwerke
Blick auf Friedrich-Heinrich!
 
Hier siehst Du meine Schachtanlage !
Wetterbericht
 
 

 
Insgesamt waren schon 33493 Besucherhier!
=> Willst du auch eine kostenlose Homepage? Dann klicke hier! <=